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Mittwoch, 15. Januar 2014

Die neue elektronische Gesundheitskarte (eGK)
oder auch: Nein danke....

Haben Sie auch in den letzten Tagen einen Brief der Krankenkasse erhalten, dass ihre Krankenkassenkarte bereits seit dem 01.01.2014 abgelaufen wäre?

Sie sollen nun ganz schnell ein "Passbild" zusenden, weil Sie sonst nicht mehr den Arzt besuchen können - und nur so würden Sie die neue viel bessere, günstigere und zudem gegen Leistungsmissbrauch sichere elektronische Gesundheitkarte erhalten?

....egal ob an der Haustür, am Telefon, oder bei einem Brief:
Wird Ihnen etwas "neues und viel besseres" kostenlos angeboten und zur Eile gedrängt, kann da nur etwas ganz faul sein - wie auch in dieser Aufforderung:
Denn all diese Behauptungen sind nämlich glatt gelogen!

Die neue elektronische Gesundheitskarte ist weder besser, noch günstiger, noch sicherer.

Warum Sie Ihrer Krankenkasse auf keinen Fall ein Lichtbild zusenden und ausdrücklich der neuen elektronischen Gesundheitskarte widersprechen sollten.


Vor einigen Tagen bekamen viele Krankenversicherte in Deutschland einen Brief:
Man solle ein Passbild zusenden, denn die Krankenkassenkarte sei ungültig und man benötige schon seit dem 01.01.2014 die neue hochsichere elektronische Gesundheitskarte, die nun die Krankenversicherung überhaupt viel besser, günstiger und sicherer machen würde.


Aber wieso meldet sich die Krankenkasse erst, wenn die Krankenkassenkarte ungültig ist....?
Was ist hier los...?

Lobbyismus.

Für die neue Gesundheitskarte wird derzeit eine neue Infrastruktur für geschätze 1.5 Milliarden Euro (Stand 2013) realisiert - ein Markt, von dem viele Stellen wirtschaftlich partizipieren wollen;
aber an der sicherlich nicht der Krankenversicherte Gewinn tragen wird.
Die Software der niedergelassenen Ärzte soll gegen deren Willen kostenaufwendig neu strukturiert werden, ganze Rechenzentren ausfallsicher aufgebaut und bis in alle Zeit betrieben werden.

Denn auf dieser neuen Super-Gesundheitskarte sind neben einem Notfallkontakt und den schon wie auf der alten Karte vorhandenen Daten aus Person, Geburtsdatum, Versicherungsstatus und Gültigkeitszeitraum ein elektronischer persönlicher Schlüssel mit einer PIN gespeichert; ähnlich einer Handy-Simkarte. Und hier wird es eigentlich erst so richtig interessant.
 
Mit diesem Schlüssel sollen nicht nur ihre Abrechnungsdaten nach einem Arztbesuch auf die neuen Super-Server der Krankenkassen gespeichert werden können, sondern auch Röntgenbilder, Diagnosen, Rezepte - eigentlich alles bis hin zu den persönlichen Notizen ihres Arztes.
Andere Sie behandelnde Ärzte können auf diese Daten zu greifen.
"Natürlich nur freiwillig und wenn Sie es wollen."
Wie das im Einzelnen aussehen soll? Dazu gibt es keine wirklichen Antworten.


Fragen Sie einmal selbst auf der im Brief meist angegebenen Hotline nach:
Wird der Patient einmal beim Arztbesuch nach der PIN befragt, ob der Arzt Zugriff auf die zentrale Gesundheitsakte nehmen darf - oder quartalsweise, oder bei jedem Arztbesuch erneut?
Kann der Arzt nach dem Patientenbesuch Besuch die Daten weiterhin ansehen?
Welche Daten kann er bei /nach einem Besuch einsehen?
Nur die Daten die er selbst angefertigt hat, oder auch die Daten seiner Kollegen?
Bekommt ein Arzt ein Update von anderem Arzt, wenn dieser erneut besucht wird?
Muss der Patient diesem Update zustimmen, oder geschieht dieses automatisch?
Wass passiert, wenn der Patient einem anderen Arzt nicht mehr vertraut?
Können die anderen Ärzte dennoch weiterhin die von dem unvertrauensvollen Arzt erstellten Daten einsehen?
Wo kann der Patient seine Daten in Ruhe einsehen, korrigieren, oder löschen?
Oder muss dieser die Löschung erst einmal "genehmigen" lassen?
Mit welcher Brechtigung wird der Patient hier bevormundet? Schließlich handelt es sich doch um "seine" und "freiwillig" erbrachten persönlichen Daten?
Was passiert, wenn der Patient (nachträglich) die zentrale Speicherung verweigert und möchte, dass die Daten ausschließlich bei seinem Arzt des Vertrauens in der Praxis verbleiben -
analog auf Papier in der Patientenakte?
Und warum interessiert sich eigentlich die Krankenkasse, welche mit der Abrechnung von Leistungen beauftragt ist, für die persönlichen Krankendaten der Versicherten. Reichen nicht die Abrechnungsschlüssel....?
Rufen Sie ruhig mehrmals auf der Hotline an und freuen Sie sich über abstruse Antworten...




Eine solche 1.5 Milliarden teure Supergesundheitscloud in der freiwillig persönliche Patientendaten gespeichert werden können ist zweifelsohne eine unausgegorene überzogene Lösung, denn der Großteil der Bevölkerung wird nach den Skandalen der letzten Monate über die NSA und anderer Organisationen sicherlich keinen Bedarf verspüren, in so einer "Super-Gesundheitscloud" seine persönlichsten Daten zu speichern, die abgehört werden könnte.
Besonders dann, wenn man nicht einmal in Deutschland im Innenministerium befähigt ist, solche persönlichen Daten sicher zu verwalten: Dort standen gleich Monate lang Krankenakten frei zugänglich im Intranet.


Was können Sie ganz persönlich dagegen tun?

Die Krankenkasse möchte Sie aktuell mit Ihrem Lichtbild dazu bewegen, ihre alte Krankenkassenkarte abzugeben, um schnellstmöglichst ihnen die neue elektronische Gesundheitskarte zu zusenden - zur Not auch mit der Verunsicherung, dass Sie nicht mehr krankenversichert wären.
Und genau darin liegt auch ihre Chance!


Angeblich gegen Leistungsbetrug wird nun nach §291 Abs. 2 Satz 1 SGB V ein "Passfoto" von Ihnen eingefordert - das ist eine Lüge und hier können Sie ihre Krankenkasse in die Schranken weisen.


Die Standhaftigkeit dieses Paragraphen ist im Sinne der Persönlichkeitsrechte nichtmals ansatzweise geklärt: Viele Bürgerrechtler sehen hier einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Grundrechte.
Auch ohne diese Fragestellung der Vereinbarkeit ist dieser Paragraph sehr wackelig:
Das amtliche "Passbild" entpuppt sich nach genauer Prüfung des Gesetztestextes als "Lichtbild des Versicherten" und somit ohne amtliche Funktion, für welches keine Richtlinien bestehen:
Es kann schwarz-weiss sein, sie dürfen einen Zylinder tragen (oder gar ein religiöses Nudelsieb), einen "Chaplinbart", kontrastreiches MakeUp wie die Muskgruppe "Kiss" -
sie können sogar dem Objektiv der Kamera wie Albert Einstein die Zunge heraus strecken, um den Unmut über diese Prozedur zu dokumentieren.
Sie könnten aber auch ihren Hinterkopf, ihren Rücken, oder ihre Waden fotografieren - denn im Gesetzestext wird nicht einmal definiert, dass ihr Gesicht zur Erkennung ihrer selbst auf dem Bild zu sehen sein soll. Sie müssen lediglich "erkennbar" (nicht "identifizierbar") sein.
Gönnen Sie sich doch einmal den Spaß.
Obendrein gibt es Ausnahmen für Kinder bis 15 Jahre und  für Menschen mit Pflegestufe, oder wenn die Religion ein Foto verbietet.
All diese Personengruppen erhalten auch in Zukunft ihre Gesundheitskarte auf Wunsch ohne Lichtbild. Hinweis: Der Krankenkasse steht hier keine Bewertung zu, ob sie auf Grund des Alters, der Pflegestufe, oder der Religionsausübung das Bild verweigern können -
Sie tun es!
 Egal was passiert -
Wie die Kassenärztliche Vereinigung Bremen noch einmal ausdrücklich bestätigt, bleibt ihre "alte" Krankenkassenkarte zunächst einmal bis zum Ablaufdatum gültig.
Selbst wenn diese ungültig wird, kann man Ihnen nicht die Mitgliedschaft in der Krankenkasse verweigern, denn: Es besteht eine Versicherungspflicht.
Und genau dafür gibt es das Ersatzverfahren: Ein Stück Papier der Krankenkasse, welches die Mitgliedschaft bestätigt - so wie ihre alte Krankenkassenkarte.

Und damit ihr Arzt sie erkennt - und gegen den angeblich gestiegenen Leistungsmissbrauch:
Weisen Sie sich doch zusätzlich zur Ersatzbescheinigung mit dem Dokument aus, welches in ganz Europa anerkannt wird.
Es beinhaltet ein Gültigkeitsdatum, Ihr Geburtsdatum, Ihre Körpergröße, sogar Haar- und Augenfarbe - sogar ein biometrisches Bild und eine aktuelle Wohnadresse.
Es kann sogar für ein paar Euros ein digitaler Schlüssel auf diesem amtlichen Dokument abgelegt werden, mit dem sich Daten signiert von dem Besitzer sowie der Bundesdruckerei Deutschlands auf einem Server durch die Authentifizierung mit PIN auf einem Datenträger - z.B. einem zentralen Server der Krankenkassen - speichern lassen.
Und das beste ist - Sie besitzen es sogar schon seit ihrem 16. Lebensjahr.

Kommen Sie selbst drauf?

Es handelt sich um ihren Personalausweis...


Weitere Informationen zu dem Thema finden Sie im Internet, z.B. auf http://www.stoppt-die-e-card.de/ . Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und kämpfen Sie für Ihre digitalen Bürgerrechte -
und die ihrer vielleicht nicht so fuchsigen Mitmenschen.

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